Rücklagen bilden:
Kapital für unerwartete Ausgaben

Unter Rücklagen wird im bilanzrechtlichen Sinne ein Begriff verstanden, der das Eigenkapital betrifft. Konkret entstehen Rücklagen, wenn Sie das Kapital Ihres Unternehmens erweitern oder die erwirtschafteten Gewinne ganz oder teilweise im Unternehmensvermögen belassen. Sie dienen einem bestimmten Zweck – Rücklagen bilden Sie jedoch vor allem, um für potenziell entstehende Risiken vorzusorgen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Ihr Betrieb Verluste einfährt und Sie diese mit den vorhandenen Rücklagen ausgleichen möchten. Haben Sie kein überschießendes Kapital, sind Sie auf derartige Situationen nicht vorbereitet.

Wozu braucht mein Unternehmen Rücklagen?

Grundsätzlich können Rücklagen verschiedenste Zwecke haben. Als Unternehmer haben Sie mit ihnen ein finanzielles Polster, das bei außergewöhnlichen Aufwendungen zur Verfügung steht und Sie vor hohen Verlusten schützen kann. Es dient in diesem Fall vorrangig zum Ausgleich der genannten Verluste.

Rücklagen zu bilden wirkt sich zudem positiv auf Ihre betrieblichen Kennzahlen aus: Das Eigenkapital erhöht sich durch die Rücklage – damit steigt die Kennzahl „Eigenkapitalquote“. Neben dem Ausgleich von Verlusten können Rücklagen eine gleichmäßige Gewinnausschüttung zum Zweck haben. Für die Gesellschafter bedeutet das, dass sie in den nächsten Jahren mit einer gleichmäßigen oder steigenden Dividende rechnen können – das erhöht Ihr Ansehen. Dazu kommt, dass Sie auch in Jahren mit Verlust einen Gewinn ausschütten können.

Rücklagen bilden – welche Möglichkeiten gibt es?

Bei der Bildung von Rücklagen wird zwischen offenen und stillen Rücklagen unterschieden.

Offene Rücklagen

Unter die offenen Rücklagen fallen vor allem Kapital- und Gewinnrücklagen. Erstere entstehen, wenn Sie weiteres Eigenkapital in das Unternehmen einbringen. Einerseits können Sie Barvermögen einlegen, es sind auf der anderen Seite aber auch Vermögensgegenstände (zum Beispiel ein Auto) denkbar. Gewinnrücklagen entstehen, indem Sie den Gewinn aus einem oder mehreren Vorjahren nicht oder nicht in voller Höhe entnehmen. Zu den Gewinnrücklagen zählen:

  • Gesetzliche und Kapitalrücklagen
  • Satzungsmäßige Rücklagen
  • Rücklagen für Anteile
  • Sonstige Rücklagen aus Gewinnen

Stille oder verdeckte Rücklagen

Stille Rücklagen, die auch als verdeckte Reserven bezeichnet werden, entstehen bei der Erstellung der Bilanz. Wenn Sie Vermögensgegenstände nicht aufführen oder sie aufgrund gesetzlicher Vorgaben weglassen, handelt es sich bei diesen Gegenständen um stille Reserven. Denn: Sie würden bei der Veräußerung der Dinge einen Gewinn erzielen, der bei der bilanziellen Bewertung Ihres Unternehmens aber außer Acht gelassen wird. Ein gutes Beispiel sind selbst erstellte Patente. Das Handelsrecht verbietet es, einen (ermittelten oder geschätzten) Wert in der Bilanz anzusetzen. Nichtsdestotrotz würde Ihr Kapital steigen, wenn Sie das Patent verkaufen – der Gewinn ist die stille Rücklage. Darüber hinaus können Sie stille Rücklagen über die handelsrechtlichen Bewertungsvorschriften bilden, etwa, indem Sie andere Anschaffungskosten oder einen niedrigeren Teilwert ansetzen.

Welche Unternehmen müssen gesetzliche Rücklagen bilden?

Abgesehen von der internen Satzung eines Unternehmens gibt es gesetzliche Vorschriften für bestimmte Rechtsformen, die die Bildung von Rücklagen vorschreiben. Dazu gehören unter anderem die Aktiengesellschaften sowie die Kommanditgesellschaften auf Aktien (AG und KGaA). Sie sind verpflichtet, fünf Prozent des jährlichen Überschusses als Rücklage abzuführen. Die auf diese Weise zu bildende Rücklage muss zehn Prozent des Grundkapitals der Gesellschaft erreicht haben – erst dann erlischt die Verpflichtung zur Bildung der Rücklage. Ihr Zweck ist es, Verluste auszugleichen und das Stammkapital zu schützen – andernfalls würden sich negative Betriebsergebnisse sofort in einer Minderung des Eigenkapitals zeigen.

Rücklagen bilden für geplante Investitionen

Als kleines oder mittelständisches Unternehmen ist das Geld für Investitionen oft knapp und auch die Banken stellen sich Ihren Vorhaben oft in den Weg. In diesen Fällen ist es sinnvoll, eine Investitionsrücklage zu bilden, mit der Sie Ihre zukünftigen Vorhaben finanzieren können. Von Seiten des Gesetzgebers existiert eine Vorschrift, die Ihnen die Bildung der Rücklage erleichtert: Sie sparen Steuern. Das funktioniert so: Bereits mehrere Jahre vor der eigentlichen Anschaffung eines Gegenstandes können Sie Geld zurücklegen – den sogenannten Investitionsabzugsbetrag. Diesen können Sie in voller Höhe als Betriebsausgaben im Jahr der Bildung ansetzen und sparen so Steuern. Der Gedanke dahinter: Spart der Unternehmer Steuern, hat er mehr Geld für seine Investitionen zur Verfügung.

Die Rücklage auflösen

Rücklagen werden meist zweckgebunden, also mit einem bestimmten Ziel, gebildet. Das kann der Ausgleich von Verlusten, aber auch eine bevorstehende Anschaffung sein. Aus diesem Grund darf die Rücklage auch nur dafür verwendet werden. Ist das Ziel etwa der Verlustausgleich, müssen die Verluste bis zum Verbrauch der Rücklage mit ihr ausgeglichen werden. Erst dann darf das Stammkapital als „Ausgleichsrücklage“ dienen.

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