Steuer-
vorauszahlung

Einkommensteuer und Umsatzsteuer müssen im Voraus an das Finanzamt gezahlt werden. Welche Fristen und Bedingungen gelten, zeigen wir Ihnen hier.

Steuervorauszahlung – Sinn und Zweck

Steuervorauszahlungen – viele Selbstständige haben davor gehörigen Respekt, vielleicht sogar ein wenig Angst. Der Grund dafür ist einfach: Das Finanzamt möchte Geld von Ihnen, bevor Sie es verdient haben. Jedoch gibt es sinnvolle Gründe für Steuervorauszahlungen und zahlreiche Möglichkeiten, sich gegen die entsprechenden Bescheide der Behörde zu wehren. Wir geben Ihnen einen Überblick. 

Welche Absicht verfolgt das Finanzamt mit einer Steuervorauszahlung?

Der Gesetzgeber hat sich bei der Einführung von Steuervorauszahlungen vor allem über zwei Aspekte Gedanken gemacht. Auf der einen Seite soll die Vorauszahlung dazu dienen, den Unternehmer vor hohen Nachzahlungen am Ende des Jahres zu schützen. Auf der anderen Seite wird so ein regelmäßiger Geldfluss in den Staatshaushalt sichergestellt. Gäbe es keine Vorauszahlungen, würde es in etwa so aussehen: Am Jahresende zahlen alle Steuerpflichtigen in einem kurzen Zeitraum ihre Steuern. Unterjährig hingegen würde der Staat kaum Einnahmen verzeichnen. Grundsätzlich sind das aus Sicht des Staates zwei gute Argumente. Nichtsdestotrotz ist eine Steuervorauszahlung nicht selten eine große Belastung für Sie als Selbstständiger. Daher gibt es verschiedene Arten von Vorauszahlungen und entsprechende Möglichkeiten, sich gegen sie zur Wehr zu setzen. 

Wie wird die Höhe einer Steuervorauszahlung ermittelt?

Als Unternehmer sind Sie verpflichtet, jährliche Steuererklärungen beim Finanzamt einzureichen, in denen Sie die Höhe Ihrer Einnahmen angeben. Für Neugründer besteht diese Pflicht nicht – an die Stelle der Steuererklärung rückt der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung oder die Gewerbeanmeldung. In diesen Formularen schätzen Sie, wie hoch Ihre Umsätze voraussichtlich ausfallen werden.  

Nun bemisst das Finanzamt die Höhe der Vorauszahlung folgendermaßen: 

  • Im Falle des steuerlichen Fragebogens/der Gewerbeanmeldung werden die von Ihnen geschätzten Einnahmen auf Quartale aufgeteilt, also geviertelt. Die Behörde rechnet aus, wie viel Steuer Sie pro Quartal zahlen müssten – das ist die Höhe Ihrer Steuervorauszahlung.  
  • Im Falle der Vorjahreseinnahmen nimmt das Finanzamt diese als Bemessungsgrundlage und teilt sie durch vier. Das übrige Vorgehen entspricht dem beim Fragebogen oder der Gewerbeanmeldung.  

Höhe der Vorauszahlung steht fest – wie geht es jetzt weiter?

Das Finanzamt erlässt im Anschluss an die Berechnung einen Vorauszahlungsbescheid, der Ihnen zugestellt wird. Ab diesem Zeitpunkt (eigentlich drei Tage nach Versand; §122 der Abgabenordnung; AO) läuft die einmonatige Einspruchsfrist. Da der Bescheid in der Regel unter Vorbehalt der Nachprüfung oder vorläufig erlassen wird, kann er jederzeit geändert werden.  

Wenn Sie mit der Höhe Ihrer Steuervorauszahlung nicht einverstanden sind, legen Sie im ersten Schritt Einspruch gegen den Bescheid ein. In einem gesonderten Antrag teilen Sie dem Finanzamt mit, wie viel Sie tatsächlich verdienen werden – in der Regel weniger, als die Behörde geschätzt hat. Das Amt erlässt nun einen neuen Bescheid und Sie müssen weniger im Voraus zahlen. Auch dieser Bescheid ergeht vorläufig. Das heißt: Merkt das Finanzamt, dass Sie tatsächlich mehr verdienen, als Sie angegeben haben, erlässt es erneut einen Vorauszahlungsbescheid. 

Was passiert, wenn ich zu viel oder wenig vorausgezahlt habe?

Diese Frage ist verhältnismäßig einfach zu beantworten: Haben Sie zu hohe Vorauszahlungen geleistet, erhalten Sie den Differenzbetrag zurück. Haben Sie zu wenig vorausgezahlt, müssen Sie die Differenz nachzahlen. Das Finanzamt errechnet anhand Ihrer Einnahmen die zu zahlende Steuer am Jahresende. Dieser Wert wird mit den von Ihnen geleisteten Vorauszahlungen verglichen. 

 Vorauszahlungen können in diesen Steuerarten fällig werden: 

  • Einkommensteuer: Sie ist quartalsweise fällig, wird aber nur in Form von Vorauszahlungen erhoben, wenn im Jahr mehr als 400 Euro und pro Quartal mehr als 100 Euro Einkommensteuer zu zahlen wäre. 
  • Quellensteuern (Kapitalertragsteuer, Lohnsteuer, Körperschaftsteuer): Sie werden von einem Dritten (etwa der Bank) einbehalten und in Ihrem Namen als Finanzamt abgeführt. Der Arbeitgeber führt für Sie die Einkommensteuer in Form der Lohnsteuer ab. 
  • Gewerbesteuer: Sie ist ebenfalls alle drei Monate, aber nicht quartalsweise fällig. Die Höhe der Vorauszahlung beträgt ein Viertel der aufgrund der letzten Veranlagung ermittelten zu zahlenden Gewerbesteuer.  
  • Umsatzsteuer: Sie wird monatlich oder vierteljährlich vorausgezahlt. Die Besonderheit hierbei ist, dass Sie als Steuerpflichtiger die abzuführende Umsatzsteuer selbst berechnen und eine sogenannte Umsatzsteuer-Voranmeldung (USt-VA) abgeben. 

Einspruch gegen die Steuervorauszahlung einlegen

Die Grundzüge des Einspruchs gegen einen Steuervorauszahlungsbescheid haben wir Ihnen weiter oben bereits erklärt. Wichtig dabei ist aber noch: Ein Einspruch hat keine aufschiebende (fristverlängernde) Wirkung. Sie müssen also auch pünktlich zahlen, wenn Sie fristgerecht Einspruch eingelegt haben. Wird Ihrem Einspruch allerdings entsprochen, erhalten Sie die Vorauszahlung wieder zurück. Wird er abgewiesen, können Sie den Klageweg vor den Finanzgerichten bestreiten. Hierfür empfiehlt es sich jedoch dringend, einen Steuerberater oder Fachanwalt für Steuerrecht um Hilfe zu bitten. 

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