Kleinunternehmer-
regelung

Kleinunternehmer sind von der Umsatzsteuer befreit. Welche Kriterien Sie als Kleinunternehmer erfüllen müssen, zeigen wir Ihnen hier.

Die Kleinunternehmerregelung: Ein Überblick

Jede Person, die eine selbstständige Tätigkeit nachhaltig und mit der Absicht, Einnahmen zu erzielen, ausübt, ist ein Unternehmer – so definiert es das Umsatzsteuergesetz in §2: Wenn Sie die Voraussetzungen dieser Vorschrift erfüllen, sind Ihre Umsätze grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig – Sie müssen also auf jeder Rechnung 19 oder sieben Prozent Umsatzsteuer ausweisen. Hier kommt die Kleinunternehmerregelung ins Spiel: Sie soll Existenzgründer mit niedrigen Jahresumsätzen vor dem umsatzsteuerlichen Aufwand schützen. So kann sich der Unternehmer besser auf sein Kerngeschäft konzentrieren.  

Welche Voraussetzungen müssen Kleinunternehmer erfüllen?

Die Vereinfachungsregelungen für Kleinunternehmer finden sich in §19 UStG. Damit Sie auf die sogenannte umsatzsteuerliche Regelbesteuerung verzichten können, müssen Sie drei wesentliche Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie müssen Unternehmer im Sinne des §2 sein 
  • Ihre Umsätze dürfen im vorherigen Kalenderjahr (Veranlagungszeitraum) 17.500 und 
  • Im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich 50.000 Euro nicht überschreiten 

Alle Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein. Wichtig ist außerdem, dass – wie der Begriff Umsatzsteuer bereits impliziert – nur Ihre Umsätze maßgeblich sind. Der einkommenssteuerliche oder bilanzrechtliche Gewinn (etwa nach Einnahmen-Überschuss-Rechnung) spielt keine Rolle. Sie können also auch Verluste erwirtschaften, die genannten Umsatzgrenzen aber trotzdem überschreiten.  

Für Neugründungen gibt es eine weitere Ausnahme: Im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung oder der Gewerbeanmeldung darf der voraussichtliche Jahresumsatz geschätzt werden. Schließlich haben Sie keine Vorjahreswerte, an denen Sie sich orientieren können. Auch hier gilt: Der voraussichtliche Umsatz im Geschäftsjahr darf die Grenze von 17.500 Euro nicht überschreiten. Setzen Sie daher lieber von Beginn auf die Regelbesteuerung nach dem UStG, wenn Ihre Umsätze die Grenze überschreiten werden. So sparen Sie sich den anfallenden bürokratischen Aufwand, den ein Wechsel von Kleinunternehmer auf Regelunternehmer mit sich bringt.  

Sonderfälle bei der Kleinunternehmerregelung

Im Rahmen der Kleinunternehmerregelung gibt es einige Sonder- und Ausnahmefälle, mit denen Sie sich im Vorfeld vertraut machen sollten. So vermeiden Sie unangenehme Überraschungen, etwa einen Nachzahlungsbescheid des Finanzamtes. Zu beachten sind die nachfolgenden Punkte: 

Umsatzgrenzen im Jahr der Gründung

Die Umsatzgrenze von 17.500 Euro bezieht sich auf das gesamte Geschäftsjahr. Nehmen Sie Ihre selbstständige Tätigkeit unterjährig auf, müssen Sie die 17.500 Euro entsprechend aufteilen.  

Beispiel: Sie eröffnen Ihr Unternehmen am 05.07.2019. Bis zum Ende des Jahres sind Sie also sechs Monate tätig und dürfen 8750 Euro (17.500/12 x 6) verdienen, um die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen zu können. Wann Sie im Monat anfangen, ist dem Finanzamt egal. Es wird davon ausgegangen, dass Sie am Ersten des jeweiligen Monats angefangen haben. 

Mehrere Unternehmen oder Tätigkeiten

Egal, wie viele Unternehmen Sie besitzen oder Tätigkeiten Sie ausüben – Sie können sich nur einmal auf die Kleinunternehmerregelung berufen. Das heißt: Sie müssen alle umsatzsteuerpflichtigen Umsätze all Ihrer Betriebe zusammenrechnen. Dieser Gesamtbetrag darf die oben genannten Grenzen nicht überschreiten – andernfalls müssen Sie Umsatzsteuer ausweisen. 

Umsatzsteuerfreie Einnahmen

Auch, wenn es oft so vermittelt wird: Kleinunternehmer erzielen keine umsatzsteuerfreien Einnahmen. Denn: Umsatzsteuerpflichtig sind alle Lieferungen und Leistungen, außer die steuerfreien in §4 UStG. Das Finanzamt verzichtet bei Kleinunternehmern lediglich auf die Erhebung der Umsatzsteuer. Ist eine Leistung, die ein Kleinunternehmer ausführt, nach §4 UStG steuerfrei, wird sie in die Umsatzberechnung (17.500/50.000 Euro) gar nicht erst mit einbezogen.  

Beispiel: Ein Arzt erzielt (§4 Nr. 14 UStG) umsatzsteuerfreie Einnahmen in Höhe von 150.000 Euro pro Jahr. Nebenbei verkauft er (umsatzsteuerpflichtige Lieferung; §3 Abs.1 UStG) verschiedene Gegenstände, die er in seiner Freizeit sammelt. Damit erzielt er 15.000 Euro Umsatz pro Jahr. Da die 150.000 Euro aus der Arztpraxis gar nicht erst in die Kleinunternehmer-Bemessungsgrundlage einbezogen werden, ist der Arzt mit seiner Verkaufstätigkeit Kleinunternehmer. Schließlich überschreitet er mit 15.000 Euro Einnahmen nicht die Grenze von 17.500 Euro.  

Vor- und Nachteile der Kleinunternehmerregelung

Die Kleinunternehmerregelung bietet Existenzgründern verschiedene Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen zählen insbesondere die Zeit- und Bürokratieersparnis, da Sie keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen abgeben müssenIm Geschäft mit Privatkunden können Sie zudem Ihre Preise spürbar niedriger halten als die Konkurrenz. Der Grund ist einfach: Bei anderen Unternehmen müssen die Kunden Umsatzsteuer zahlen, die bei Ihnen wegfällt. Im Geschäftskundenbereich ist das egal, da der Geschäftspartner sich die Vorsteuer ohnehin vom Finanzamt zurückholt.  

Die Nachteile: Bei erfolgreichen Unternehmen kommt es früher oder später dazu, dass Sie die Umsatzgrenzen des §19 überschreiten und zur Regelbesteuerung wechseln müssen. Besonders im Privatkundengeschäft bedeutet das: Sie müssen Preiserhöhungen durchsetzen, um den Gewinn aufrecht zu erhalten. Dadurch, dass Sie keine Umsatzsteuer einnehmen, dürfen Sie auch keine Vorsteuer vom Finanzamt zurückverlangen. Sie müssen also alle Betriebsausgaben brutto verbuchen und zahlen – ein Argument für die Regelbesteuerung. 

 

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