Nachfolge und Steuern - so stimmen die Zahlen

Bei einer Unternehmensnachfolge ist das Thema Steuern sehr wichtig. Was Sie bedenken müssen, zeigen wir Ihnen hier.

Unternehmensnachfolge: Besteuerung der Übernahme

Bei der Übernahme eines Unternehmens treten neben organisatorischen vor allem auch finanzielle Fragen in den Vordergrund. Ein wichtiger Punkt dabei ist, wie die Unternehmensnachfolge besteuert wird. Die steuerlichen Auswirkungen einer Übernahme hängt von vielen persönlichen Faktoren ab – insbesondere bei Freibeträgen und dem jeweils anzuwendenden Steuersatz ist dies der Fall. Hinzu kommen Rechtsform und Größe des zu übernehmenden Betriebs. Ohne einen Steuerberater sollten Sie die Übernahme daher nicht anstreben.

Übernahme einer Personengesellschaft oder eines Einzelunternehmens

Der Verkäufer des Unternehmens erzielt in diesem Fall einen Gewinn, der der Einkommenssteuer zu unterwerfen ist. Bei der Ermittlung der Bemessungsgrundlage kommen die persönlichen und gesetzlichen Freibeträge zum Tragen. Der Senior-Chef kann alle zehn Jahre einen Freibetrag von 45.000 Euro in Anspruch nehmen – nur der überschüssige Teil des Gewinns muss versteuert werden.

Es gibt jedoch zwei Voraussetzungen: Der Geschäftsführer muss das 55. Lebensjahr vollendet haben oder vor Vollendung des 55. Lebensjahres dauerhaft berufsunfähig sein. Ob der Seniorchef dauerhaft berufsunfähig ist, bemisst sich nach den sozialrechtlichen Vorschriften. Dazu gehört unter anderem, dass die Berufsunfähigkeit ärztlich bescheinigt und von der Krankenkasse akzeptiert wird.

Weitere Vorschriften

Hinsichtlich des Freibetrags von 45.000 Euro gibt es eine weitere Vorschrift (§16 EStG): Dieser verringert sich um den Teil des Veräußerungsgewinnes, der 136.000 Euro übersteigt (§16 Abs.4 EStG). Wird das Unternehmen zum Beispiel für 150.000 Euro verkauft, steht dem Verkäufer nur noch ein Freibetrag von 31.000 Euro zu, der sich folgendermaßen berechnet:

150.000 Euro – 136.000 Euro = 14.000 Euro; 45.000 Euro – 14.000 Euro = 31.000 Euro.

Gemäß §34 Abs.1 EStG ist der Veräußerungsgewinn darüber hinaus auf fünf Jahre zu verteilen. Damit soll verhindert werden, dass der Veräußerer die meist hohe Steuerlast auf einmal tragen muss. Zudem wird ein gleichmäßiges Steuereinkommen des Staates gewährleistet. Um beim Beispiel von 150.000 Euro zu bleiben: Abzüglich des Freibetrags verbleibt ein steuerlicher Gewinn von 119.000 Euro. Auf fünf Jahre verteilt, erzielt der Verkäufer rechnerisch einen Jahresgewinn von 23.800 Euro – dieser ist zu versteuern.

Unternehmensnachfolge: Besteuerung bei Ratenzahlung

Besteuerung der Unternehmensnachfolge – Grunderwerbsteuer

Die Grunderwerbssteuer fällt – wie ihr Name bereits sagt – beim Kauf von Grund und Boden sowie bebauten Grundstücken an. Die Bundesländer legen eigene Steuersätze fest, die zwischen 3,5 und 6,5 Prozent der Bemessungsgrundlage liegen. Gemäß §§8 und 9 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEstG) ist die erhaltene Gegenleistung als Bemessungsgrundlage anzusehen. Dazu zählen neben dem Kaufpreis auch alle anderen Lieferungen und Leistungen, die der Verkäufer an den Käufer erbringt. Steuerschuldner sind nach §13 GrEStG Nr.5a) entweder nur der Erwerber oder nach §13 Nr.1 sowohl Käufer als auch Verkäufer.

Besteuerung bei Ratenzahlung

Stundet der Verkäufer dem Erwerber den Kaufpreis, wird die Steuer nach §11 EStG mit Zugang der jeweiligen Raten fällig. Das bedeutet: Der Veräußerer muss sie in dem Jahr versteuern – unter Umständen mit dem ermäßigten Satz – in dem die Raten auf seinem Konto eingehen. Hinzu kommen die vom Käufer gezahlten Zinsen. Bei ihnen handelt es sich um Einkünfte aus Kapitalvermögen (§21 EStG), die ebenfalls zu versteuern sind. Von ihnen kann der Empfänger der Raten jedoch einen pauschalen Betrag in Höhe von 801 Euro pro Jahr (§21 Abs.6 EStG) als Werbungskosten abziehen.

Wichtig zu erwähnen: Es handelt sich um zwei getrennte Tatbestände nach dem Einkommenssteuergesetz. Der Verkäufer des Betriebes muss die eigentliche Rate als gewerbliche Einkünfte, den Zinsanteil als Kapitalvermögen versteuern.

Kaufpreis auf Lebenszeit – die Verrentung

Eine Sonderform der Ratenzahlung, für die ein Steuerberater sehr von Vorteil ist, ist die Verrentung des Kaufpreises. Dabei zahlt der Käufer dem Verkäufer eine im Vorfeld und in der Regel auf Lebenszeit vereinbarte, angemessene Rente. In den meisten Fällen wird sie, wie die klassische Rente auch, monatlich gezahlt.

Hinsichtlich der Besteuerung hat der Veräußerer ein Wahlrecht: Er kann zwischen der Zufluss- und der sofortigen Versteuerung des Gewinns wählen. Erstere führt dazu, dass das Finanzamt die monatliche Rente wie Betriebseinnahmen behandelt. Die gesamten Einnahmen eines Jahres werden bei der Veranlagung zusammengerechnet und mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. Entscheidet sich der Verkäufer für die einmalige Besteuerung, wird die Steuer für den gesamten Erlös auf einmal fällig. Freibeträge oder die 5-Jahres-Regelung finden in diesem Fall keine Anwendung.

Sonderregelungen im Umsatzsteuerrecht

Auch das Umsatzsteuergesetz (UStG) kennt den Tatbestand der Unternehmensveräußerung. Verkauft ein Unternehmer seinen Betrieb an einen anderen Unternehmer (Unternehmer-Definition: §2 UStG), fällt nach §1 Abs.1a keine Umsatzsteuer an. Es handelt sich um einen sogenannten steuerbaren, aber nicht steuerpflichtigen Umsatz. Ein Sonderfall ergibt sich beim Verkauf an eine Privatperson: Hier wäre der Verkauf steuerpflichtig, der Veräußerer müsste also 19 Prozent Umsatzsteuer zahlen. Da jedoch der Übernehmer spätestens als Geschäftsführer selbst Unternehmer ist, ergibt sich der letztgenannte Fall nur äußerst selten.

Besonderheiten beim Verkauf einer Kapitalgesellschaft

Verkauft der Unternehmer seine Kapitalgesellschaft oder Anteile an ihr, erzielt er einkommensteuerlich einen Veräußerungsgewinn. Für den Veräußerer gilt dabei das Teileinkünfteverfahren aus §3 Nr.40 EStG. Es besagt folgendes: Wenn der Verkäufer zu mindestens einem Prozent an der verkauften Gesellschaft beteiligt ist, muss er 60 Prozent des Veräußerungsgewinns versteuern. Die verbleibenden 40 Prozent bleiben steuerfrei und bei der Einkommensteuererklärung damit außer Ansatz.

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