Firma übernehmen: Welche Kosten sind zu beachten?

Bereits vor dem Kauf eines bestehenden Unternehmens ist es wichtig, dass Sie sich über die anfallenden Kosten im Klaren sind. Alleine der Kaufpreis kann schon ein gutes Argument sein, das unternehmerische Risiko einer Übernahme nicht einzugehen. Er ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs – es gibt viele weitere Kostenpunkte, die viele Existenzgründer nicht direkt auf dem Schirm haben. Um Ihnen die Entscheidung etwas leichter zu machen, haben wir die wichtigsten Infos rund um die Frage „Firma übernehmen: Welche Kosten fallen an?“ übersichtlich zusammengefasst. 

Rechts- und Beratungskosten

Für die vertragliche Abwicklung der Übernahme werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit die Unterstützung eines Rechtsanwalts bzw. eines Notars in Anspruch nehmen müssen. Deren Vergütung richtet sich nach dem Wert des Rechtsgeschäftes, was im Falle einer Übernahme meist der Kaufpreis des Unternehmens ist. Entsprechend sollten Sie sich mit den einschlägigen Vorschriften im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) und dem Gerichts- und Notarkostengesetz vertraut machen. So vermeiden Sie unerwartete Kostenfallen. 

Neben den rechtlich notwendigen Beratungen kommen andere Hilfestellungen von externen Firmen. Ein Unternehmensberater ist beispielsweise dann sinnvoll, wenn Sie von Anfang an optimal wirtschaften und zukunftssicher planen möchten. Wenn Sie eine Firma übernehmen, fallen diese Kosten nahezu immer an – bedenken Sie das. 

Firma übernehmen: Kosten für Verwaltungsverfahren und Amtsschritte

Bei der Übernahme eines Unternehmens sind verschiedene Verwaltungsverfahren erforderlich, für die entsprechende Gebühren anfallen. Dazu gehört beispielsweise die An- oder Ummeldung Ihres Gewerbes bei Ihrer Gemeinde und dem zuständigen Finanzamt.  

Falls Sie Grund und Boden oder ein bebautes Grundstück, also Firmengebäude, erworben haben, ist zusätzlich eine Änderung im Grundbuch durchzuführen. Die zuständigen Stellen der Amtsgerichte berechnen die dafür anfallenden Gebühren nach dem Kaufpreis. Wenn Sie eine Firma für einen Preis von 800.000 Euro übernehmen, würden beispielsweise folgende Gebühren anfallen: 

  • 1415,00 Euro (einfache Gebühr) 
  • 7782,50 Euro (5,5-fache Gebühr, abhängig von äußeren Faktoren, zum Beispiel der Lage)
  • 1478,68 Euro (Umsatzsteuer auf die Notargebühren) 

Zwar wiegen diese Beträge in der Gesamtrechnung nicht allzu viel und sind darüber hinaus stark von äußeren Faktoren abhängig. Jedoch gilt der Grundsatz „Kleinvieh macht auch Mist“ – es ist daher wichtig, auch augenscheinlich geringe Beträge in Ihre Rechnung einzubeziehen 

Steuern – ein entscheidender Kostenfaktor

Im deutschen Steuerrecht gibt es zahlreiche unterschiedliche Vorschriften, wie die Übernahme eines Unternehmens zu behandeln ist. Grundsätzlich gilt dabei, dass nur die Einkommenssteuer stark von Ihren persönlichen Verhältnissen abhängig ist. Umsatz-, grund- und gewerbesteuerlich sind die Regelungen bei einer klassischen Übernahme klar. Dabei gilt folgendes: 

Einkommenssteuer

Wie bereits erwähnt, lässt sich bei der ertragsrechtlichen Besteuerung keine eindeutige Aussage treffen. Grundsätzlich gilt jedoch das sogenannte Teileinkünfteverfahren aus §3 Nr. 40 EStG. Vereinfacht gesagt, muss der Verkäufer 60 Prozent des Veräußerungserlöses mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern. Die verbleibenden 40 Prozent sind steuerfrei und bleiben außer Ansatz. 

Umsatzsteuer

Nach §1 Abs. 1a UstG sind Veräußerungen von Betrieben bzw. Betriebsteilen nicht umsatzsteuerpflichtig. Der Veräußerer muss also keine 19 Prozent des Verkaufserlöses an das Finanzamt abführen. Das gilt jedoch nur, wenn er den Betrieb bzw. bestimmte Betriebsanteile an einen anderen Unternehmer verkauft. Unternehmer sind Sie, wenn Sie die Voraussetzungen des §2 UStG erfüllen – also eine selbstständige, nachhaltige und auf die Erzielung von Einnahmen ausgerichtete Tätigkeit ausüben, die Ihre gesamte berufliche Tätigkeit umfasst. Auch Kleinunternehmer nach §19 UStG sind Unternehmer in diesem Sinne, unterliegen bezüglich der Besteuerung jedoch anderen Vorschriften. 

Gewerbesteuer

Diese Steuer wird vom Finanzamt anhand Ihrer Einnahmen festgesetzt und von den Gemeinden erhoben. Ihre Höhe richtet sich nach den einschlägigen Vorschriften, die jede Kommune oder Stadtverwaltung selbst festlegt. 

Grunderwerbssteuer

Sie wird ebenfalls durch die Gemeinden erhoben und bemisst sich nach dem individuellen Steuersatz, der bundesweit zwischen 3,5 und 6,5 Prozent liegt. Bemessungsgrundlage sind die Anschaffungskosten des Grund und Bodens inklusive der Gebäude, die sich auf dem Grundstück befinden. 

Grundsteuer

Die Grundsteuer ist für jedes Bundesland einheitlich, die Gemeinden legen jedoch eigene Hebesätze fest. Der Hebesatz ist der Faktor, mit dem die eigentliche Grundsteuer multipliziert wird. Beispiel: Die Grundsteuer liegt bei 1.000 Euro, der Hebesatz beträgt 3,5 – die zu zahlende Grundsteuer würde sich in diesem Fall auf 3.500 Euro belaufen. 

Firma übernehmen: Kosten für Investitionen

Wenn Sie eine Firma übernehmen, können Kosten für notwendige Investitionen entstehen. Beispielsweise sind neue Anschaffungen, Erweiterungen von Betriebsgebäuden oder weitere Mitarbeiter erforderlich. Generell ist es wichtig, dass Sie Expansionspläne bereits vor dem eigentlichen Kauf einer Firma erstellen und so für die nächsten Jahre gewappnet sind. Natürlich kann es vorkommen, dass spontan weitere Aufwendungen entstehen – für die planbaren Fälle haben Sie damit aber bereits vorgesorgt. 

Aktuelles zum Thema Geschäftsideen

Sichere Betriebsübergabe

Stralsund. Nach Schätzungen der Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie der Handwerkskammern (HWK) in Mecklenburg-Vorpommern stehen bis 2025 voraussichtlich rund 23.000 Unternehmen zur Nachfolge an....

Durchstarten in kreativen Berufen

Wer sich für Immobilien und Inneneinrichtung interessiert, dazu eine kreative Ader hat und gern selbstständig arbeitet, für den sind Home Staging und Redesign genau...

Frische Geschäftsideen statt langer Reden

Warnemünde. Landwirtschaft, Politik, Reisen, App-Entwicklung - die Themen, die bei der Veranstaltungsreihe „12 Minutes me“ besprochen werden, könnten unterschiedlicher nicht sein. Gestaffelt nach verschiedenen...