YourCar-Gründer Jakob Richter und Adrian Merker. Foto: Timo Roth

Teilen ist das neue Haben: Immer mehr Menschen verzichten bewusst auf eigene Besitztümer und leihen sie sich stattdessen bei Bedarf von anderen aus. Es wird geteilt, getauscht und geborgt, was Heim und eigenes Können hergeben: handwerkliche Dienstleitungen, Haushaltsgeräte, Werkzeuge.

Auch Adrian Merker (26) und Jakob Richter (27) fahren auf den Trend ab. So sehr, dass die Rostocker beruflich in die Sharing-Economy eingestiegen sind. 2017 haben sie den Carsharing-Dienst „Yourcar“ gegründet. „Wir wollen die Mobilität in Mecklenburg-Vorpommern verändern,“ sagt Richter.

Deshalb geben die Jungunternehmer Gas: Zunächst haben sie zwei Autos von ihrem WG-Zimmer aus vermietet. Inzwischen ist der Coworking-Space „Basislager“ ihre Firmenzentrale. Sie beschäftigen acht Mitarbeiter. Ihre Fahrzeugflotte zählt 40 Autos. Die meisten der „Yourcar“-Leihwagen rollen durch Rostocks Straßen, eine Handvoll Pkw tourt durch Stralsund. „Und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht“, sagt Richter.

Fahrspaß und Pflichten

Dass das Startup beim Expandieren so ein Tempo vorlegt, kommt nicht von ungefähr. Was „Yourcar“ bietet, ist gefragt: Autofahrvergnügen ohne nervige Verpflichtung, wie Unterhaltskosten oder Parkplatzsuche. Gerade letzteres stellt Städter zunehmend auf die Geduldsprobe. „Wir sind Teil der Lösung für das Problem überlasteter Innenstädte“, sagt Jakob Richter.

Wer für Familienausflug oder Großeinkauf spontan einen fahrbaren Untersatz benötigt, kann es online buchen: Einfach auf www.carsharing-mv.de registrieren, Wunschauto per App reservieren, Fahrzeug via Smartphone entsperren und ab geht die Post. Bezahlt wird anschließend für Nutzungszeit und Strecke. Beim Kleinwagen etwa werden zwei Euro pro Stunde und 26 Cent pro gefahrenen Kilometer fällig.

Mit E-Scootern durch die City

Das Autoteilen boomt deutschlandweit: Laut Bundesverband Carsharing sind aktuell rund 2,29 Millionen Nutzer bei einem der 226 Sharing-Dienste registriert. Der Trend zu Minimalismus und Nachhaltigkeit nimmt immer mehr Fahrt auf – das kratzt am Image des Autos als des Deutschen liebstes Kind. Früher galt der eigene Wagen als Inbegriff von Freiheit, heute nehmen ihn viele Verbraucher als Belastung war – für die Umwelt und sich selbst.

Deshalb bieten Adrian Merker und Jakob Richter seit Neustem in Zusammenarbeit mit den Rostocker Stadtwerken eine Alternative zu Dieseln und Benzinern an: den E-Scooter-Sharing-Dienst „Moin“. Seit Oktober können Rostocker mit insgesamt 176 Elektrorollern durch die City düsen.

Solche Flitzer „für die letzte Meile“ sind nicht unumstritten. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey zufolge will jeder zweite Deutsche, dass die E-Scooter wieder aus dem Straßenbild verschwinden. Kritikpunkte: Rollerfahrer würden rücksichtslos über Bürgersteige brettern oder mit den Scootern Rad- und Gehwege zuparken.

Roller- und Leihwagenflotte soll wachsen

In Rostock gab es bislang hingegen wenig Grund für Beschwerden. Im Gegenteil: Immer mehr Verbraucher finden Gefallen am Rollerfahren oder wollen es zumindest einmal ausprobieren. Binnen weniger Wochen hat „Moin“ viele Stammkunden gewonnen. „Wir wollen weder Fußgänger ärgern, noch Radfahrer verdrängen oder der Rostocker Straßenbahn AG die Kunden klauen“, betont Jakob Richter. Vielmehr soll „Moin“ eine weitere Möglichkeit sein, mit der Rostocker bequem und umweltschonend von A nach B kommen können. Von Rostocks Grenzen will sich das „Moin“-Team nicht bremsen lassen: Künftig könnten die Scooter auch in Städten wie Wismar und Neubrandenburg angeboten werden.

Auch auf dem platten Land wollen Jakob Richter und Adrian Merker etwas bewegen und dazu beitragen, dass Menschen trotz größer werdender Lücken im öffentlichen Nahverkehr mobil bleiben, ohne dafür ein eigenes Auto unterhalten zu müssen. Ihr Ziel: Künftig sollen „Yourcar“-Leihwagen auch in mehreren Dörfern Mecklenburgs-Vorpommerns bereitstehen. (Antje Bernstein)