Gegenbegriff des Risikos ist die Sicherheit. Schnell wirst du als Gründer feststellen, dass du dich auf einen Weg begeben hast, auf dem es viele Risiken und wenig Sicherheiten gibt. Genau aus diesem Grund, solltest du es schaffen strukturiert Risiken zu analysieren und diese Risiken mit allen Mitteln und Maßnahmen aktiv vermeiden. Darin liegt deine Chance, einen Schritt voraus zu sein. Deshalb verstehen sich erfolgreiche Gründer und Unternehmer als Risikomanager.
Durch eine klare Struktur können Risiken Stück für Stück reduziert werden. Fachlich wird hier vom Herabsenken der Eintrittswahrscheinlichkeit gesprochen. Aus meiner Sicht, als Beteiligungsmanager der ROKA 1825 GmbH werden die Risiken meistens nicht ausreichend betrachtet und analysiert, obgleich du durch eine fundierte Analyse spätere Probleme vermeiden kannst. Ich meine damit keine hoch theoretischen Modelle, die Risikostreuungen durch lineare Zusammenhänge vorweisen und Wirtschaftswissenschaftler wie William Sharpe und Harry Markowitz zufrieden stellen würden. Mir geht es darum, Risikoanalysen umfangreicher aber auch praxisorientiert aufzubauen. Beispielhaft möchte ich an dieser Stelle beschreiben, welche Erfahrungen ich mit den bisherigen Risikoanalysen gemacht habe, wie diese sinnvoller aufzubauen wären und wie du diese für dich zum Vorteil nutzen kannst.

Schauen wir mal gemeinsam auf meinen Schreibtisch. Ich bekomme bei der ROKA 1825 GmbH monatlich mehrere neue Businesspläne von Start-ups eingereicht und jetzt zum Jahresende viele Jahresplanungen von Unternehmen aus unserem Portfolio. Der Businessplan liegt vor uns. Man sieht schon auf dem Deckblatt: Cooles Layout und ein hipper Name, aus dem sich bereits etwas zum Produkt schließen lässt. Schauen wir in den Inhalt: Geschäftsidee studieren, und verstehen, Gründerteam genau anschauen, ein tiefer Blick in die geplanten Zahlen und schon lande ich auf dieser einen Seite mit den Risiken.

Meine Erwartungshaltung ernüchtert sich schlagartig. Wie so oft der gleiche schmale Aufbau: Tabellarische Zusammenfassung der ermittelten Risiken, dazu ein Ranking und fertig. Es scheint fast so, als wolltet ihr als Gründer mit dem Thema schnell durch sein, die Augen verschließen vor dem, was schiefgehen kann. Das Thema bloß nicht zu großmachen und nicht zu nah an mein positives Mindset heranlassen, denn das kann verunsichern und die Gründung ist somit im Kopf bereits gescheitert. Überall wird Gründung und Entrepreneurship völlig positiv dargestellt. Warum also in negative Gedanken abschweifen?

Mein Tipp: Arbeite an der Risikoanalyse viel strukturierter und mache sie dir zum Vorteil!           

Erkenne die Gefahren und Risiken deiner Gründung. Es reicht nicht, Risiken zu nennen und dann ab in die Schublade damit. Es ist wichtig aktiv, gegen Risiken vorzugehen und dafür Sorge zu tragen, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit möglichst gering bleibt. Das ist deine Chance auf einen Vorsprung. Wer vorbereitet und aufmerksam ist, der wird nicht überrascht.

Strukturiere die Risikoanalyse in deinem Start-up doch vielleicht einmal nach dem folgenden Prinzip:

1. Du brauchst verschiedene Blickwinkel/Sichtweisen auf deine Geschäftsidee.

Suche dir ein kleines Team, z.B. 3 – 5 Leute. Das müssen nicht nur deine Mitgründer oder ersten Mitarbeiter sein. Hier kannst du dich auch an deinem Netzwerk bedienen und Freunde, Familie oder Bekannte ansprechen. Achte darauf, dass sich Leute mit deinen Risiken befassen, die verschiedenen Ausbildungen gemacht haben, z.B. Kaufleute, Ingenieure, vielleicht auch jemand mit einem völlig anderen Blickwinkel. Das kann auch ein Biologe oder Philosoph sein. Dieses Team kannst du schriftlich festhalten. Zeige einem Investor, wer bei der Risikoanalyse eingebunden wurde und aus welchem Berufsfeld er kam. Füge dies in deinen Businessplan ein!

2. Risiken werden strukturiert ermittelt.

Gib deinem Team ein Tool an die Hand um Risiken zu ermitteln. Das kann z.B. ein Ishikawa-Diagramm sein. Du kannst deinem Team hier 5 bis 6 Überbegriffe geben. In der Theorie werden diese oft „5-M“ genannt.

z.B.: Mensch, Maschine, Methode, Management, Material.

Lasse die Personen die Diagramme allein ausfüllen, verteile diese vor dem Risiko-Workshop und sage ihnen, wenn ihnen im Alltag etwas einfällt sollen sie es ergänzen. Durch die Überbegriffe werden die Bearbeiter angeleitet und sollten sich Gedanken zur Geschäftsidee aus verschiedenen Blickwinkeln machen.

Deadline zur Abgabe der Ishikawa-Diagramme ist spätestens ein Tag vor dem Risiko-Workshop.

3. Risiken sortieren, filtern, clustern.

Sortiere die gemachten Angaben deiner einzelnen Teilnehmer. Schaue dir an: Was wurde mehrfach genannt oder ist vielleicht doch völlig am Thema vorbei? Übertrage die Risiken nun in eine Tabelle, in der die verschiedenen Überbegriffe der Ursachen als erste Struktur genutzt werden.

4. Risiko-Workshop

Bewertet gemeinsam die gemachten Risiken. Fachlich werden hier zwei Bewertungskriterien verwendet. Erstens Eintrittswahrscheinlichkeit, zweitens Auswirkung. Du kannst selbst eine Legende entwickeln mit der du arbeitest. Leichter wird es, wenn du eine ungerade Anzahl bei den Kriterien verwendest. Die Abstufung der Bewertungskriterien sollte in Summe gleich sein. Hier als Beispiel eine vereinfachte Variante mit drei Stufen:

Nach der Bewertung der beiden Felder, solltet ihr die Kriterien miteinander multiplizieren. So ergibt sich eine eindeutige Liste, welches eurer Risiken zu den Top-Risiken gehören und welche eher zu den Risiken gehören, die keine größere Auswirkung für dich und deine Geschäftsidee haben.

5. Jetzt wird es spannend, kreativ und anspruchsvoll! Maßnahmen entwickeln!

Entwickelt in eurem Team Maßnahmen für die ermittelten Risiken. Fang mit den Top-Risiken an und überlegt gemeinsam welche Maßnahme verringert die Eintrittswahrscheinlichkeit eurer Risiken?

Es ist wichtig, dass euch bewusst ist, die Auswirkung eines Risikos wird immer gleichbleiben, ihr könnt nur die Eintrittswahrscheinlichkeit beeinflussen, hier ein Beispiel:

  • Ermitteltes Risiko: Günstiger Nachahmer eures Produktes betritt den gleichen Markt.
  • Auswirkung: Akteure mit gleichen Ziel auf einem gleichen Markt, bewirken meist eine starke Zielkonkurrenz. Dies erschwert den Wettbewerb und das Risiko des Scheiterns steigt enorm. -> Auswirkung beim Einstieg eines Konkurrenten bleibt immer gleich!
  • Maßnahmen:
    • Patentschutz über das Patentamt anmelden
    • Gebrauchsmuster anmelden
    • Marketingkampagne aufstellen, die dem Kunden das Original Ersichtlich macht
    • Interne Maßnahmen zur „Geheimhaltung“ steigern:
      • Mitarbeiter sensibilisieren/Vertraglich binden
      • Geheimhaltungsverträge (NDA) mit Partnerunternehmen auflegen

 6. Erneute Bewertung der Eintrittswahrscheinlichkeit:

Bewertet nun die Eintrittswahrscheinlichkeit erneut, nachdem Ihr Maßnahmen für die einzelnen Risiken entwickelt habt. Überlegt im Team genau, ob eure Maßnahmen ausreichen, um die Eintrittswahrscheinlichkeit herabzusenken.

 7. Risiken visualisieren

Visualisiert eure Risiken zum Beispiel in einer Vorher- /Nachher-Matrix. So lässt sich genau erkennen, welche Risiken vorher zum Top-Risikobereich gehört haben und ob ihr es geschafft habt, diese aus dem Bereich zu entfernen. Natürlich kann es auch passieren, dass Risiken im Top-Risikobereich bleiben, da sich so richtig keine greifbare Maßnahme entwickeln lässt, auf diese Risiken muss man sich dann bewusst einlassen und besonders im Auge behalten.

Wenn du dir die Zeit mit deinem Team nimmst und eine Risikoanalyse nach diesem Prinzip aufbaust, diese weiterentwickelst oder änderst, wirst du feststellen, dass schnell sehr gute und umfangreiche Ergebnisse entstehen. Mache dir bewusst, in erster Linie ist eine umfangreiche Risikoanalyse wichtig für dich und den Erfolg deines Start-ups. Jeder Investor wird eine umfangreiche Risikoanalyse besonders positiv sehen, ein angenehmer Bonus, bei den vielleicht folgenden Gesprächen zur Finanzierungsrunde. 

Siehe dich selbst als Risikomanager, der Risiken im Blick behält und diese bestmöglich umgehen möchte. Denn so machst du aus Risiken Chancen und bringst Stabilität und Sicherheit in dein Vorhaben.

Ich würde mich freuen, demnächst einen Businessplan in den Händen zu halten, aus dem ich herauslese, dass mehr Unternehmer und Gründer diese Chance für sich erkannt und in Form einer umfangreichen Risikoanalyse für sich genutzt haben. Gern lade ich dich zu uns ein, um mit der ROKA 1825 GmbH über deine Risikoanalysen zu sprechen und eine Ausstattung mit Venture Capital durch unser Haus zu überprüfen.

www.ospa.de/roka

Riko Zimmermann
Beteiligungsmanager