Boddenlandeis-Chefin Heike Ziemba aus Kemnitz bei Greifswald hat ca. 150 verschiedene Eissorten in ihrem Programm, die alle aus natürlichen Rohstoffen hergestellt werden.

Gründer inspirieren Gründer. Wir erzählen Erfolgsgeschichten aus MV und stellen Gründerinnen und Gründer vor, die mit Mut und guten Ideen den Weg in die Selbstständigkeit gewagt haben. Hier ist die Geschichte von Heike Ziemba aus Kemnitz bei Greifswald, die ihren sicheren Job aufgab und sich als Eis-Expertin selbstständig machte.

Eis-Liebhaber schmelzen dahin, schon wenn sie die lange Angebotsliste der Geschmacksrichtungen in der Kemnitzer Bodden-Landeis-Manufaktur bei Greifswald lesen: Auf knapp 150 verschiedene Eissorten verweist Bodden-Landeis-Inhaberin Heike Ziemba, deren kreative Energie grenzenlos scheint.

Kostprobe? Wie wäre es mit Kurkuma-Ingwer-Basilikum-Milcheis? Oder Tomateneis mit rotem Pfeffer? Oder Apfel-Sellerie-Sorbet? Die Entscheidung fällt den meisten Kunden nicht leicht, da sich viele Namen der Eisspezialitäten aus dem kleinen Örtchen Kemnitz, ganz genau dem Ortsteil Neuendorf, so verführerisch exotisch anhören.

Eis-Expertin mit Mut zur Selbstständigkeit

Dabei ist Heike Ziemba gelernte Industriekauffrau, wurde dann aber zur Speiseeis-Spezialistin: „Als Mutter von drei Kinder habe ich immer darauf geachtet, dass unser Essen nicht aus Fertignahrung besteht, sondern frisch zubereitet wurde“, so die heute 58-Jährige, deren Eltern zeitlebens in der Landwirtschaft gearbeitet haben. „Wenn man wie ich auf dem Dorf groß geworden ist, prägt einen das auch beim Kochen und so habe ich schon damals viel ausprobiert, um gesunde und abwechslungsreiche Kost auf den Tisch zu bringen“, so Heike Ziemba.

Boddenlandeis-Chefin Heike Ziemba aus Kemnitz bei Greifswald hat ca. 150 verschiedene Eissorten in ihrem Programm, die alle aus natürlichen Rohstoffen hergestellt werden.

Kurz nach der Wende ging die gesamte Familie aus beruflichen Gründen erst einmal nach Nordrhein-Westfalen. Heike Ziemba, Verwaltungsangestellte im öffentlichen Dienst, war zufrieden in ihrem Job. Aber als das Haus ihres inzwischen verstorbenen Vaters in Kemnitz plötzlich leer stand, wagte sie einen mutigen Schritt: Das Elternhaus modernisieren, um hier eine Vision zu verwirklichen.

„Bei einem Eishersteller in Nordrhein-Westfalen habe ich leckeres Eis lieben gelernt – ausschließlich mit natürlichen Rohstoffen hergestellt“, erzählt Heike Ziemba. Und fügt hinzu: „Das wollte ich auch können, gab meine sichere Arbeit im öffentlichen Dienst auf und im Jahre 2014 reifte diese Idee soweit, dass ich in einer Eisfachschule in NRW mein Zertifikat ablegte und wenig später der Bank meinen Businessplan für eine Firmengründung vorlegte.“

Einladung zur Grünen Woche in Berlin

2017 hatte sie einen Stand auf einer Regionalproduktemesse in Greifswald. Hier lud sie der stellvertretende Landrat des Landkreises Vorpommern-Greifswald, Jörg Hasselmann, spontan ein, auf der Grünen Woche Anfang 2018 in Berlin ihre Speiseeis-Kreationen vorzustellen. Gesagt, getan! Mit Eisspezialitäten, die vornehmlich aus einheimischen Früchten wie Sanddorn, Quitten, Rhabarber, schwarzen Johannisbeeren und Holunder hergestellt wurden, punktete Heike Ziemba. Die Anzahl ihrer gewerblichen Kunden wuchs – Hofläden, Restaurants und sogar ein ziemlich großer Lebensmittelhändler wollten plötzlich mehr Eis aus der Nähe des Greifswalder Boddens.

Im modernisierten Elternhaus wurde die Produktion der Bodden-Landeis-Manufaktur mit neuer Technik hoch gefahren. Bis zu 300 Liter Milcheis oder Sorbet kann die Eismanufaktur täglich herstellen – je nach Auftragslage. Gelegentlich im Sommer verkauft man auch aus dem Haus heraus Eisspezialitäten – die den Einheimischen und immer mehr Touristen, insbesondere den radelnden, bestens munden. „Wir haben das Glück, dass unser Haus am Ostseeradwanderweg liegt und so von vielen beim Vorbeifahren wahrgenommen wird“, meint Heike Ziemba. Und betont: „Wir sind aber keine Eiscafé, sondern bieten eher einen Produktionsverkauf an.“ Die Gäste stört das wenig und sie nehmen auch kurze Wartezeiten in Kauf.

Neue Eissorten: Quittensorbet und Pflaume-Zimt-Sorbet

Pläne für 2021? Das Angebot erweitern. Zudem liefen „die Vorbereitungen zur Teilnahme an der ersten landesweiten Warenbörse als B2B-Plattform (Business to Business, die Red.) und Präsentation zum Wettbewerb Produkt-Leuchtturm MV im neuen Kreuzfahrtterminal in Warnemünde“, erläutert Heike Ziemba. Geplant seien zudem weitere Kooperationen mit sehr interessanten Partnern.

Was machen Heike Ziemba und ihre drei Mitarbeiter in der eisfreien Zeit? „Es gibt viel zu tun außerhalb der Sommersaison, weil wir im Herbst und Winter viel in unserem Eislabor mit regionalen Früchten ausprobieren.“ Ziel: neue Geschmacksrichtungen. (OZ/Christian Rödel)