MV erwacht aus dem digitalen Dornröschenschlaf: Die Regierung hat gestern ein Maßnahmenpaket zur Förderung von Technologieinitiativen in der Wirtschaft angekündigt. Bis zu 100 Millionen Euro stünden – theoretisch – für Projekte von Unternehmen zu Verfügung. Denn um die Wirtschaft im Land fit für den digitalen Wettbewerb zu machen, sollen diverse Fördertöpfe geöffnet werden. Zwei bis fünf Gründerzentren für Start-ups sollen entstehen.

„Ich möchte nicht, dass sich Startups nur in Berlin, Hamburg oder München ansiedeln“, sagt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Daher habe die Regierung einen Plan zur Unterstützung von Unternehmen entwickelt. Das Thema müsse als Chance für MV betrachtet werden. Konkret:

Zentren: Bis zu fünf digitale Innovationszentren solle es künftig geben. Noch in diesem Jahr zwei an den Universitätsstandorten Rostock und Greifswald, so Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD). Gespräche gebe es auch mit Stralsund, Wismar und Neubrandenburg. In diesen Zentren sollen Gründer ihre digitalen Geschäftsideen umsetzen und den Gedankenaustausch auch mit anderen Firmen pflegen können.

Netzwerk: Die Innovationszentren sollen landesweit miteinander verbunden werden, um Synergien nutzen zu können, so Pegel. Dazu werde ein „digitales Portal“ geschaffen, das für die Firmen weltweit wirbt. Möglich seien etwa gemeinsame Auftritte auf Messen wie der Cebit in Hannover.

Förderung: Die Regierung will für den digitalen Schub der Wirtschaft viel Geld in die Hand nehmen. Zehn Millionen Euro kommen aus einem Fonds, weitere 80 Millionen wären pro Jahr über Fördertöpfe, die das Wirtschaftsministerium ausschüttet, denkbar. Dafür würden Richtlinien verändert, so Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Die Förderung reiche von Qualifizierung von Mitarbeitern über Analyse und Umstellung von Produktionsprozessen bis hin zu Investitionen in neue Anlagen. Für zum Beispiel Automatisierung sei ein Zuschuss von bis zu 50000 Euro je Unternehmen möglich. Um das Geld müssen Unternehmen auf dem Weg ins digitale Zeitalter allerdings mit anderen Wirtschaftsbereichen konkurrieren. Antragsstart: „Sofort“, erklärt der Minister.

Anbindung an Forschung: Das Kompetenzzentrum „Industrie 4.0 in der Produktion“ an der Fraunhofer-Einrichtung für Großstrukturen in Rostock werde ausgebaut. Unternehmen sollen dort Konzepte und Verfahren erproben. Ein weiteres Zentrum soll in Rostock im Verbund mit der Universitätsmedizin entstehen. Hier gehe es um Digitalisierung in Tourismus, Gesundheitswirtschaft, Medizintechnik.

Landesbeteiligung: Schließlich werde ein Fonds in Höhe von 15 Millionen Euro aufgelegt, aus dem „innovative digitale Geschäftsmodelle“ kleinerer Firmen aller Branchen gefördert werden sollen. Das Land könne Firmen so Hürden bei der Finanzierung abnehmen.

Weitere 40 Millionen Euro will die Regierung für Digitalisierung in anderen Bereichen zur Verfügung stellen, etwa Kultur und Schulen. Dazu werde es Mitte Mai eine Klausur geben, so Schwesig. Für rund eine Milliarde Euro werde der Breitbandausbau im Land umgesetzt (die OZ berichtete).

Die Wirtschaft reagiert erfreut. Er begrüße die Initiative der Regierung „außerordentlich“, sagt Wolfgang Blank, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Neubrandenburg. „Dies kann allerdings nur der Anfang sein.“ Wichtig sei, dass alle Firmen profitieren können. Blank wünscht sich möglichst wenig Bürokratie bei der Fördermittel-Vergabe. Claus Ruhe Madsen, Rostocker IHK-Präsident, lobt das Engagement der Regierung. Die Öffnung der Fördermittelvergabe für alle Branchen sei ein wichtiger Schritt. Denn auf dem Weg zur Digitalisierung stünden demnächst viele Firmen vor der Frage:

„Mache ich zu oder baue ich komplett um?“, so Madsen.

Kritik kommt von der Opposition im Landtag. Die Förderung der Wirtschaft bei Digitalisierung komme „reichlich spät“, erklärt Sandro Hersel. Vor allem ländliche Regionen seien bislang angehängt. „Nach wie vor fehlt ein ganzheitlicher Ansatz zur Digitalisierung der Wirtschaft, des Tourismus, des Gesundheits- des Bildungssystems.“

Fragen zum Thema an: digitalisierung(a)em.mv-regierung.de