Rostock. „Interessante Gründerstory“ – so heißt der mit 2000 Euro dotierte Sonderpreis für junge Existenzgründer, mit dem die Volksbanken Raiffeisenbanken in MV auch in diesem Jahr mutige, junge Selbstständige ehren. OZ sprach mit Olaf Schlenzig, Leiter der Firmenkundenbetreuung bei der Rostocker Volks- und Raiffeisenbank, und Firmenkundenbetreuer Guido Schadwinkel.

Herr Schlenzig, Herr Schadwinkel, wie geht’s der Wirtschaft in MV?

Schlenzig: Ganz gut! Die Wirtschaftsstruktur im Land ist kleinteilig, also nicht von einem Big Player abhängig. Sie hat sich gut entwickelt, die Auftragsbücher sind voll. Und es gibt genügend Banken, die für das erforderliche Kapital sorgen (lacht).

Keine Probleme?

Schlenzig: Na ja – es müssen zum Beispiel immer wieder Firmen im Land geschlossen werden, weil der Chef geht und seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, es also keinen Nachfolger gibt.

Wie macht man denn seine Hausaufgaben richtig als Firmenchef? Und wann sollte man beginnen?

Schadwinkel: Also mit 50 sollte man langsam daran denken. Vielleicht findet sich in der Familie ein passender Nachfolger, oder in der Firma? Wenn nicht, kann man auch an Geschäftspartner oder Lieferanten denken. Mit 55 oder gar 60 Jahren wird es dann akut: Der Neue sollte ja schließlich auch Zeit haben, in die Firma reinzuwachsen, die Kunden kennenzulernen. Was auch nicht so optimal ist: Mit 65 Jahren anzufangen, einen Nachfolger zu suchen, der aber auch nur fünf oder zehn Jahre jünger ist als man selbst.

Wie kann der abgebende Chef die Hürde für den Nachfolger bzw. Unternehmenskäufer senken?

Schlenzig: Er kann – wenn möglich – die Management-Nachfolge von der Vermögensnachfolge trennen. Und zwar indem im ersten Step der operative Betrieb getrennt von einer Immobilie übertragen wird. So kann der Senior noch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erzielen und sein Ruhestandseinkommen aufbessern, während der Junior erst im zweiten Step eine große Investition – Kauf der betrieblich genutzten Immobilie – dann durchführt und finanziert, wenn das Unternehmen und er selbst als Unternehmer gefestigt und die Management-Nachfolge erfolgreich war. Dies ist für den Senior aber nur sinnvoll, wenn die Immobilie im Falle des Scheiterns des Nachfolgers auch an Dritte vermietbar und verkäuflich ist, Drittverwendungsfähigkeit also gegeben ist.

Und noch ein Tipp für den Übernehmer einer Firma?

Schlenzig: Sofort beginnen, die Altersvorsorge zu organisieren. Wenn ein Existenzgründer das aufschiebt „bis es dem Unternehmen besser geht“, wird das erfahrungsgemäß nichts. Nach einer Faustregel gilt: Zehn Jahre später angefangen, ist der Aufwand für dasselbe Vorsorgeergebnis doppelt so hoch.

Welche Fehler sollten potenzielle Gründer sonst noch vermeiden?

Schlenzig: Mit allen möglichen Leuten über das geplante Projekt zu reden, aber erst ganz am Schluss die Bank dazuzuziehen – wenn alle Messen gesungen sind.

Besser wäre also, gleich zuerst zur Bank zu gehen?

Schadwinkel: Aber ja! Die Bank kann nicht nur für die Finanzen sorgen, sondern auch Kontakte vermitteln, beim Beantragen von Fördermitteln helfen, zuverlässige und solvente Partner empfehlen.

Wir haben hier einen Beraterpool und bieten Hilfe an – man muss uns nur fragen. Generell sollte man – neben der Bank – möglichst frühzeitig auch den Steuer- und den Unternehmensberater hinzuziehen.

Damit lassen sich viele Risiken minimieren.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Was würden Sie sich von jungen Gründern wünschen?

Schlenzig: Dass sich angehende Unternehmer gut auf das Finanzierungsgespräch mit ihrer Bank vorbereiten. Die haben da eine Stunde Zeit, um ihre Idee vorzutragen, ihren Businessplan, ihre Motivation. Da ist es gut, wenn man die Zeit nutzt, sein Vorhaben konzentriert vorträgt. Und selbst spricht, und nicht der Senior-Chef. Die Bank muss schließlich votieren: Gibt es Geld oder nicht?

Und da muss die fachliche Seite stimmen, man muss unternehmerisch und gesundheitlich in der Lage sein, eine Firma zu führen. Belastbarkeit ist wichtig, und die Familie sollte hinter dem Unternehmer stehen.

Schadwinkel: Angehende Firmenchefs müssen wissen, dass sie sich Stress zumuten, dass es schwierig werden könnte mit der Work-Life-Balance. Die Leitung eines Unternehmens ist kein Nine-To-Five-Job. Man muss entscheidungsfreudig sein, auch mal unpopuläre Entscheidungen treffen können. Das gilt besonders, wenn frühere Mitarbeiter die Firma übernehmen. Das ist ein Rollenwechsel, wenn man plötzlich zum Chef wird: Mitarbeiter nehmen einen anders wahr, die Fluktuation kann steigen.

Schlenzig: Ja, vielleicht verlassen sogar frühere Leistungsträger das Unternehmen. Das muss man aushalten als neuer Chef. Oder, anderes Beispiel: Wenn zwei Kumpel ein Unternehmen gründen, und es kommt zu Konflikten, dann ist der alte Spruch immer noch richtig: Bei Geld hört die Freundschaft auf. Eine Scheidung ist oft einfacher als eine Unternehmenstrennung.

Schadwinkel: Da ist es immer richtig, wenn man vorher – in guten Zeiten – klare Abmachungen getroffen, Managementfragen geklärt hat.

Schlenzig: Wichtig ist auch, dass der Firmenchef nicht nur das operative Geschäft im Blick hat – also der Chef der Baufirma nicht nur auf den Baustellen unterwegs ist oder der Kneipenbesitzer nicht jeden Tag mit den Köchen in der Küche steht. Der Chef muss auch die monatlichen Zahlen im Blick behalten – oder einen Unternehmensberater beauftragen. Das kostet zwar Geld, spart aber viel mehr ein.